Viscri.de

Navigation
Startseite
Benutzer
Wir über uns
Forum
Links
Projektinfos
Copiii Europei
Newsarchiv
Impressum
Kontakt
Gästebuch

Statistik
Datum: 30.05.2017
Zeit: 13:00
gerade online: 2
Besucher: 931673
Seitenaufrufe: 3363090

Sie sind eingeloggt als Gast (einloggen)

Login
Name:
Passwort:
 
Registrieren

Newsletter
Hier können Sie sich für den Newsletter ein- und austragen.
E-Mail:
Text: oder Html:


Über uns
Tina über sich:

5. Februar 2006
Es ist langsam Zeit, um etwas neues in ICH UEBER MICH zu schreiben:
Im Mai werden es 4 Jahre, die wir dann in Viscri, Deutsch/Weisskirch leben.
Das hiess vier kalte Winter, davon 2 mit Wasser aus dem Brunnen holen und mit Handwaesche. Wenigstens weiss ich, wie es ist, wenn Du im Winter mit der Hand waschen musst, denn schon seit letztem, dem 3. Winter haben wir einen Wasserhahn im Flur und eine Waschmaschine ( welche Erleichterung, welch liebliches Surren der Maschine!) und unser diesjaehriges Weihnachstgeschenk war sogar der Wasserhahn in unserer
 “ Wohnkueche”, Ronnis gebaute Spuele dazu, ein Bett daneben hinterm Ofen- alles kommt uns perfekt und gemuetlich vor. Das Brennholz, wenn auch immer teurer, so koennen  wir es bisher 2 Jahre im Voraus kaufen, um es fuer unsere teils Lehmoefen trocknen zu lassen. Diesen Winter haben wir ausser dem Eingekochtem herrliche und viele Aepfel im Keller, Rettiche hmm!, rote Beete......
Soviel zu den Wintern, die 4 Sommer hier waren etwas enttaeuschend, was das Wetter betrifft, von wegen Hitze und so.....selbst die Leute meckern oft, weil sie ihr Heu nicht trocken kriegen! Da aber sowieso nix zum Badengehen  in der Naehe ist, vielleicht auch besser so, jeder Sommer erscheint mir als der schwierige Balanceakt zwischen der Unmenge an Garten-u. Hofarbeit, auch noch der anstehenden paedagogischen Arbeit ( die aber bei mir weniger geworden ist und auch in den grossen Ferien fast ruht) zum anderem dem Wunsch, sich auch mal in der herrlichen Sommerkueche auszuruhen anstatt nur zu racken, mal in einen Urlaub zu fahren oder sich mehr Zeit fuer die Freunde zu nehmen, welche uns besuchen. Wir selbst schwanken da oft hin und her – weil wir doch so gern Besuch hier haben, aber dann auch immer irgendwie in der Klemme sind. Die meisten Besuche aber hier bei uns waren echt schoen und unkompliziert!

Was ist aus meinen Vorstellungen geworden betreffs des Dorfes?
An einigen davon hab ich mir die Zaehne fast ausgebissen, andere haben sich erfuellt und sich uebertroffen.
Was das Stillen betrifft, bzw. die Muetter dabei zu beraten oder mit einigem Wissen ueber natuerliche Heilmitteln den Saeuglingen zu helfen- sehe ich nur wenige Ergebnisse. Zu tief sitzt das schnelle Greifen zu Medikamenten, das kritiklose Glauben den Aerzten, und oft sehe ich wenig Vertrauen in die eigenen muetterlichen Kraefte und Instinkte aber auch bei manchen Frauen das Fehlen einfacher Grundkenntnisse unserer koerperlichen Ablaeufe. Was wieder die Bildung wichtig erscheinen laesst!
Ich hoffe, dass sich in Hinsicht natuerlichere Geburten und Saeuglingsheilkunde noch viel tun wird in Rumaenien, es gibt ja immer noch Schauergeschichten, was manche Geburten in den Kra.haeusern betrifft.
Einige sehr kompetente Leute allerdings haben in dieser Hinsicht schon Wunderbares begonnen, z.B. eine Bukarester Hebamme, die ich per Internet kennengelernt habe. Das laesst Hoffnung fuer Rumaenien aufkommen....
Was die Sozialarbeit in diesem Dorf betrifft, geht es immer auf und ab. Nach einem missglueckten um nicht zu sagen, gefaelschten Interview letzten Sommer hatte ich es sehr schwer im Dorf und viele Leute waren ueber meine angeblichen Worte sehr aufgebracht. Ich habe aber immer  versucht darauf zu achten, wenn ich von den aermsten oder ungebildeten Leuten sprach, als nur von einem TEIL der Dorfbevoelkerung zu sprechen ,um nicht alle ueber einen Kamm zu scheren. Das ist eben ein Problem, niemand will sich ja bevormunden lassen – das ist auch gut so und ich will auch niemanden bevormunden! Das ist natuerlich schwierig in der Sozialarbeit, gerade wenn es um benachteiligte Kinder geht, aber ich moechte das gern immer wieder lernen...und ich hoffe, die betreffenden Menschen auch.
Selbst einige der aermsten und sozial schwaechsten unter den Menschen hier fuehlen sich so manches mal von uns Deutschen betrogen oder gar bestohlen, obwohl sie in vielen Dingen durch “ die Deutschen “ ( siehe Projektinfos ) unterstuetzt werden. Sie machen dem dann lautstark oder tatkraeftig Luft, wenn man eben eine Massnahme scheinbar gegen sie entschied. An solchen aufregenden Tagen will ich manchmal das Handtuch werfen, dabei will ich doch nicht das halbe Dorf erziehen, sondern NUR dass sie z.B> ihre Kinder wieder zur KOSTENLOSEN Schuelerhilfe gehen lassen, da sie sonst nicht lesen lernen u.v.m.
Ansonsten merke ich immer wieder in den Staedten, dass Viscri mit allen seinen Einwohnern und Problemen zum Glueck nicht dem Landesdurchschnitt entspricht – aber dem laendlichen schon.
Ich hoffe auf mehr rumaenische Eigeninitative im laendlichen Raum, vor allem was das paedagogische System in Kindergaerten und noch wichtiger den Schulen betrifft. Dieses kann man angesichts der sich nahenden EU eigentlich so in manchen Orten nicht belassen, mit z.B. noch Schlaegen in Kinderheimen und auch Ohrfeigen in der Schule und mancherorts oder vielerorts? mangelndem Engagement sowie Wissen der Lehrkraefte! Doch auch hier kenne ich schon einige sehr fachlich weite uns kompetente Vereine und Initativen – nur wann wird soetwas in Viscri der Fall sein?

Ob wir Leni das hiesige Schulsystem “ antun ” werden, ist noch unklar. Erstmal freut sie sich auf den ( Halbtags- ) Kindergarten im Dorf, in welchen wir sie ab Herbst geben werden. Sie redet auch rumaenisch und liebt es eben, mit anderen Kindern zu spielen.
In meiner Repser Gemeinde  fuehle ich mich nach fast 2 Jahren ganz wohl,
ich habe mir sogar meine Mitgliedschaft aus meiner Dresdner Heimatgemeinde, der Bruedergemeinde auf der Bergmannstrasse 19, hierher zur baptistischen Gemeinde uebertragen lassen, um z.B. intensiv in der Kinderarbeit fortzufahren.
Sicherlich habe ich zu manchen Dingen auch einige Differenzen, doch insgesamt kann ich inhaltlich einverstanden sein, ich weiss mich unter Geschwistern, die meinen Glaube und meine Liebe zu Gott teilen, ich merke, dass dies auch in ihrem und hoffentlich auch meinem Leben Fruechte traegt!...die Gottesdienste geben mir meistens viel und ich freue mich, dass sich nun auch seit 9 Monaten eine kleine Gemeinde in Viscri versammelt. Dies sehe ich echte Gebetserhoerung! Es ist trotzdem schwierig, mit sovielen zumeist armen Leuten ehrlich Gemeinde zu leben und das geht nicht ohne Probleme, aber ich erwarte und spuere da Gottes Wirken!
Soviel erstmal von mir ueber mich, langsam verlangt Leni, dass ich mit ihr spiele, was ich auch heute noch nicht gemacht habe. Daher schliesse ich mit lieben Gruessen und hoffe auf weitere Post, e-mails , Telefonate, SMSe von Euch und auch auf Treffen, wenn ich, wir in Deutschland sind.

Tina Bing
Ronni ueber sich :

Ronni Bing, Januar 2008:

Der Zauber des Märchenlandes verliert seine Kraft und schwindet wie der Nebel eines Herbstmorgens - möglicherweise überspitz formuliert. Doch nach meiner Wahrnehmung ist das so. Siebenbürgen - ein “Märchenland“ das scheinbar von der allgemeinen Entwicklung unberührt  geblieben ist, verändert sich.

Als ich mich Mitte der 90iger erstmals in Rumänien aufhielt, war ich in den Bann  dessen gezogen, was man auch mit agro-kultureller Rückständigkeit bezeichnen könnte. Ich sah in Rumänien, speziell in Siebenbürgen/Transsilvanien die Bilder einer längst vergangen Wirklichkeit und dachte irgendwie inmitten dieser Gegebenheiten glücklich sein zu können. Sie schienen als Gegenteil von den, mich oft bedrückenden Entwicklung der „Blühenden Landschaften“ des deutschen Ostens in den 90ziger Jahren.

Als wir 2002 nach Deutsch Weisskirch/Viscri zogen, hatte ich eine Religionspädagogische Ausbildung in Eisenach, den Friedensdienst in Arbegen/Argirbiciu/Rumänien, und die anschließende Ausbildung zum Gesellen des Tischlerhandwerkes in Rabenau/Deutschland hinter mir.

Holzleichtlehmziegel - während der TrocknungIch wollte dann im Dorf auch als Tischler arbeiten, wusste aber noch nicht wie. Es folgten erste Versuche im alten Kuhstall. Manche karitative, unternehmerische Vorstellungen gab ich bald auf, neue Ideen entstanden. Als Leitbild entstand  ein Haus. Ein Haus das sich, wenn es einmal nicht mehr gebraucht wird, ganz schnell und weitestgehend spurlos in die organischen Kreisläufe unseres Lebens einfügt. Nach ca. drei Jahren Bau und Entwicklungszeit  war der „Anbau“ fertig gestellt. Für die Menschheit ein weitestgehend unbedeutender, für mich aber ein großer Schritt.  Ich hatte nämlich all die Dinge hergestellt und angewandt die mich so interessierten. Minimaler Zementeinsatz, Leichtlehmziegel, Strohballenwände, Schilfmatten-Isolierung, Lehmputze …

Leider ist nun, nach dem EU-Beitritt Rumäniens die Zeit für solcherlei „Basteleien“ nicht mehr gegeben. Zum Glück kann ich aber jetzt nicht nur ein herrliches Zimmer mehr und eine angenehme Werkstatt nutzen sondern auch einen gewissen Erfahrungsschatz. Das ist wichtig, denn gleichzeitig wächst die  Notwendigkeit, unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Dies ist freilich an sich nicht weiter erwähnenswert, da ja allgemein zutreffend. Im Hinblick auf die Entwicklung unseres Lebens in Rumänien bedeutet das für mich aber als Neuerung die Anmeldung eines Gewerbes, sprich: klassische Tischlerarbeiten und ökologische Bauweisen. Nicht zu letzt, weil Tina  gegenwärtig  den Hauptteil der „Elternarbeit“ übernommen hat.
Es bedeutet aber auch den Abschied vom bescheidenen, einfachen, ländlichen Leben im „Märchenland“ Siebenbürgen. Aus ursprünglicher Schlichtheit wird westeuropäischer Standard und der verlangt seinen Preis.